Name des Moors:
Sinesbrunn
Allgemeines:
BL:Tirol, Bezirk: Imst, Gemeinde: Tarrenz, Naturraum: Mittlere und westliche Nordalpen, Flächengröße: 59 ha, Höhenlage: 1500 m, Grundbesitzer: privat
Moortyp (Hauptmoortypen):
Noch nicht erhoben
FFH-Lebensraumtypen:
Noch nicht erhoben
Die Moore von Sinesbrunn liegen auf einer Mittelgebirgsterrasse in rund 1.500 m Höhe und stellen ein besonderes Relikt aus der Eiszeit dar. In ehemaligen Gletscherhohlformen entstand über lange Zeit ein vielfältiges Mosaik unterschiedlicher Moortypen.
Charakteristisch ist das enge Zusammenspiel verschiedener Moorstadien und Übergangsbereiche, die funktional und hydrologisch miteinander vernetzt sind und Sinesbrunn zu einem außergewöhnlichen Gebiet in Österreich machen.
Besonders hervorzuheben ist der Moorkomplex „Heiße Mahd“. Er zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Abfolge unterschiedlicher Moorausprägungen sowie durch eine hohe Wasserdynamik aus, die durch Bäche, Zuflüsse und Quellen geprägt wird. Dies führt zu einer großen Standortvielfalt auf engem Raum.
Ebenfalls von hoher naturschutzfachlicher Bedeutung ist das Kohlstattmoor mit seinem Strukturreichtum, dem intakten Wasserhaushalt und einer weitgehend naturnahen Ausprägung.
Das Gebiet beherbergt zahlreiche seltene Pflanzengesellschaften, darunter Schlammseggen- und Schnabelseggenbestände sowie Bergkiefer-Torfmoos-Gesellschaften. Auch schützenswerte moortypische Arten wie das Breitblättrige Wollgras (Eriophorum latifolium) und das Blutauge (Potentilla palustris) kommen hier vor. Eine Besonderheit stellen die Bestände des Firnisglänzenden Sichelmooses (Hamatocaulis vernicosus) dar, welches europaweit geschützt ist und unter Anhang II der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gelistet ist. Diese Art wurde erst kürzlich in Sinesbrunn nachgewiesen und ist ein Indikator für intakte Übergangsmoorbereiche und naturnahe Niedermoore. Ebenso von besonderer Bedeutung ist das Vorkommen der seltenen FFH-Art Bileks Azurjungfer (Coenagrion hylas).
Die Moor- und Quelllebensräume von Sinesbrunn zählen zu den wichtigsten Fortpflanzungs- und Rückzugsgebieten dieser Art und waren ein wesentlicher Grund für die Ausweisung als Natura 2000-Gebiet. Darüber hinaus finden sich im Gebiet weitere moortypische Libellenarten, der Bergmolch, sowie zahlreiche Vogelarten. Insgesamt zählt Sinesbrunn zu den bedeutendsten Moorgebieten von nationaler und internationaler Relevanz.
© Lassacher Ziel ist die Erhaltung und Förderung des hydrologisch und funktional vernetzten Moor- und Quellkomplexes, mit bedeutenden FFH-Lebensraumtypen, typischer Vegetationsstruktur und stabilem Wasserhaushalt. Durch gezielte Nutzungssteuerung (Weidefreistellung; geregelte Forstwirtschaft; Vermeidung von Fischbesatz), Besucherlenkung- und Information, Schutz sensibler Bereiche und Sicherung hydrologischer Pufferzonen, sowie Zusammenarbeit mit der Gemeinde, soll die Funktion des Gebietes als überregional bedeutsamer Trittstein- und Refugialraum für hochspezialisierte Moorarten im alpinen Raum bewahrt werden. Dadurch können Fortpflanzungs- und Entwicklungshabitate für seltene und gefährdete Libellen, wie die FFH-Art Bileks Azurjungfer, nachhaltig gesichert werden. Zudem können die Bestände des gefährdeten Firnisglänzenden Sichelmoos geschützt werden.
© Andreas Danzl Um auch bei starkem Besucheraufkommen den Schutz des Gebiets zu gewährleisten, wird ein Besucherlenkungskonzept entwickelt. Geplant sind unter anderem Informationstafeln an stark frequentierten Punkten wie Parkplätzen, Zugängen und Uferbereichen. Sie sollen Besucherinnen und Besucher für den Schutzzweck sensibilisieren und zu naturverträglichem Verhalten anregen.
In sensiblen Bereichen ist eine gezielte, temporäre Weidefreistellung vorgesehen. Dadurch sollen Trittschäden reduziert und der natürliche Wasserhaushalt erhalten werden. Begleitende Hinweistafeln sowie Beiträge in Gemeindezeitungen können die Akzeptanz dieser Maßnahmen stärken. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Göfelesee, sowie dem Latschenhochmoor südöstlich von Kohlstatt. Diese Gebiete sind wertvolle Lebensräume für seltene Libellenarten, darunter die Bileks Azurjungfer. Zum Schutz ihrer Fortpflanzung ist außerdem geplant, den Fischbestand im Göfelesee durch Elektrobefischung zu reduzieren.
Für den langfristigen Erhalt des funktional wertvollen Moorverbandes ist ein kontinuierliches Monitoring der hydrologischen Situation wichtig. Ergänzend sollen wasserrelevante Strukturen wie Abflüsse, Schwellen und Dämme durch schonende technische Maßnahmen gesichert und bei Bedarf angepasst werden.
Eine enge Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Forst- und Landwirtschaft, Behörden sowie der Schutzgebietsbetreuung ist von großer Bedeutung. So lassen sich Ziel- und Nutzungskonflikte besser lösen und die besonderen Lebensräume dauerhaft erhalten.
© Lassacher The Sinesbrunn peatlands are located on a mid-mountain terrace at 1500 m above sea level and represent a remarkable relic from the Ice Age. Over long periods, a diverse mosaic of different peatland types has developed within former glacial depressions.
A defining characteristic of the area is the close interaction between various peatland stages and transitional zones, which are functionally and hydrologically interconnected, making Sinesbrunn an exceptional site within Austria.
Particularly worth to mention is the “Heiße Mahd” peatland complex. It is characterized by a sequence of different peatland formations and a high degree of water dynamics, shaped by streams, tributaries, and springs. This results in a high diversity of habitats within a relatively small area.
The „Kohlstattmoor“ is also of high conservation importance due to its structural diversity, intact hydrological conditions, and largely natural state.
The area hosts numerous rare plant communities, including mud sedge and bottle sedge communities, as well as mountain pine–Sphagnum bog communities. The area is also home to protected mire-typical species such as broad-leaved cottongrass (Eriophorum latifolium) and purpe marshlocks (Potentilla palustris).
A highlight is the occurrence of populations of the firnis-glossy hook-moss (Hamatocaulis vernicosus), which is protected across Europe and listed in Annex II of the Habitats Directive. This species was only recently recorded in Sinesbrunn and serves as an indicator of intact transitional mires and near-natural fens.
Equally significant is the presence of the rare Annex II species Coenagrion hylas. The mire and spring habitats of Sinesbrunn represent some of the most important breeding and refuge areas for this species and were a key reason for the designation of the site as a Natura 2000 area.
In addition, other peatland-typical dragonfly species, alpine newts, and numerous bird species live in the protected area. Overall, Sinesbrunn is considered one of the most important peatland areas of national and international significance.
© Lassacher The aim is to conserve and enhance the hydrologically and functionally interconnected mire and spring complex, which habitat types of the Habitats Directive, typical vegetation structure and a stable water balance. Through targeted management of land use (exclusion of grazing; regulated forestry; avoidance of fish stocking), visitor management and information provision, protection of sensitive areas and safeguarding of hydrological buffer zones, as well as cooperation with the local authority, the area’s function as a stepping stone and refuge of supra-regional importance for highly specialised species of mires in the Alpine region is to be preserved. This will ensure the long-term preservation of breeding and development habitats for rare and endangered dragonflies, such as the Habitats Directive species Bilek’s azure damselfly. Furthermore, populations of the endangered firnis-glossy hook-moss (Hamatocaulis vernicosus), can be protected.
A visitor management plan will be developed to ensure the protection of the area even during periods of high visitor numbers. Plans include information boards at busy locations such as car parks, access points and riverside areas. These are intended to raise visitors’ awareness of the conservation objectives and encourage them to behave in a way that is respectful of nature.
In sensitive areas, targeted, temporary grazing restrictions are planned. This is intended to reduce damage caused by foot traffic and preserve the natural water balance. Accompanying information boards and articles in local newspapers can help to increase acceptance of these measures. Particular focus is placed on Lake Göfele and the mountain pine moor southeast of Kohlstatt. These areas are valuable habitats for rare dragonfly species, including Bilek’s azure damselfly. To protect their reproduction, there are also plans to reduce the fish population in Lake Göfele through electrofishing.
Continuous monitoring of the hydrological conditions is essential for the long-term conservation of this functionally valuable network of mires. In addition, water-related structures such as outlets, weirs and dams should be safeguarded through non-invasive technical measures and adapted where necessary.
Close cooperation between the local council, forestry and agriculture sectors, the authorities and the protected area management team is of great importance. This enables conflicts of interest and land use to be resolved more effectively and ensures the long-term conservation of these unique habitats.
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